China Internet Report 2020 – South China Morning Post Research

Im China Internet Report 2020 hat die South China Morning Post Research die Top 5 Trends aus dem chinesischen Tech-Sektor identifiziert.

Den vollständigen Report können Sie hier anfordern: https://research.scmp.com/products/china-internet-report-2020

1. Auswirkungen von COVID-19 auf den chinesischen Technologiesektor

Im April 2020 kündigte das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie Pläne zur Entwicklung der digitalen Infrastruktur in fünf Bereichen an:

  • Beschleunigung der 5G-Infrastruktur für eine breitere Netzabdeckung, insbesondere in Industrieclustern und Städten
  • Ausbau des industriellen Internets: Entwicklung neuer intelligenter Computereinrichtungen und Rechenzentren
  • Anwendung digitaler Technologien in allen Branchen, wie z. B.: Energie, Transport, Logistik, Landwirtschaft, Innovative Social Governance
  • Verbesserung der Datensicherheit
  • Stärkung der technologischen Innovation: Forschung und Entwicklung in den Bereichen 5G Enhanced Technologies und 6G, Bereitstellung eines günstigen Finanzierungs-, Politik- und Branchenumfelds für Innovationen

Das Coronavirus hat auch in China die Digitalisierung in verschiedenen Sektoren mit langfristigen Auswirkungen beschleunigt:

Bildung

  • Online lernen: Mehr als 50 Millionen Studenten aus 30 Provinzen besuchten am ersten Tag des Semesters am 10. Februar Kurse auf DingTalk, Alibabas Enterprise Messaging-App. Die Plattform ClassIn des Online-Klassenzimmerdienstleisters EEO, auf der vor der Epidemie täglich etwa 200.000 Schüler unterwegs gewesen waren, verzeichnete im Juli durchschnittlich 2 Millionen Schüler pro Tag.
  • Neue Unterrichtsformate: Chinas renommierten Hochschulen, wie die Qinghua Universität, boten während des Corona-Ausbruchs Online-Kurse für alle über die Kurzvideo-App Douyin (TikTok) an.

Gesundheitswesen

  • Online Sprechstunden: Ping An Good Doctor, Chinas größte Gesundheitsplattform, erhielt zwischen dem 22. Januar und dem 6. Februar 10-mal so viele Anmeldungen im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2018. Tencent Trusted Doctors bot den Bewohnern von Wuhan Online Sprechstunden an und vervierfachten die Anzahl an Sprechstunden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
  • Wissensaustausch: Das „Global MediXchange for Combating COVID-19“ (GMCC) wurde von der Alibaba Foundation und der Jack Ma Foundation ins Leben gerufen, um den Austausch bewährter Verfahren und Kenntnisse zur Bekämpfung der Pandemie unter Medizinern auf der ganzen Welt in Echtzeit zu erleichtern.

Recruiting

  • Videointerview-Produkte: Liepin.com, eine der größten Karriereplattformen Chinas, mit 450.000 Unternehmenskunden und 150.000 Headhuntern, hat im März sein Videointerviewprodukt Duomian veröffentlicht. BOSS Zhipin, eine weitere große chinesische Online Recruitingplattform, hat seine grundlegende Funktion für Videointerviews aktualisiert, um Gruppeninterviews zu unterstützen.
  • Virtuelle Jobmessen: Alipay startete am 2. März eine virtuelle Jobmesse mit rund 60.000 Arbeitgebern.

2. Chinas Drang, sich im Technologiesektor von anderen Ländern unabhängig zu machen

Der Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten hat in China dazu geführt, dass die Entwicklung einheimischer Spitzentechnologie ganz oben auf der Tagesordnung steht.

China bleibt für integrierte High-End-Schaltkreise auf ausländische Zulieferer angewiesen. Der Wunsch, die Abhängigkeit von ausländischen Chips zu verringern und weltweit führend in der Halbleiterindustrie zu werden, war in Peking deshalb noch nie so groß wie heute. China strebt an, 70% der im Inland benötigten Chips bis 2025 selber zu produzieren. Im derzeitigen Tempo könnte es dieses Selbstversorgungsziel allerdings verfehlen. Die meisten Branchenexperten glauben, dass China fünf bis zehn Jahre hinter den führenden Halbleiterherstellern zurückliegt, einige sehen aber eine Chance, die Lücke mit KI-Chips zu schließen.

3. Das Jahr der massenhaften Verbreitung von 5G

5G wird bis 2025 fast die Hälfte der chinesischen Mobilfunkverbindungen ausmachen. Schätzungen zufolge wird China bis 2025 einen Anteil von 40% an der Gesamtzahl der weltweiten 5G Nutzern haben. Die Einführung von preisgünstigen 5G Smartphones von einheimischen Marken wie Huawei, Xiaomi, Vivo, Oppo und ZTE in diesem Jahr wird die weitere Verbreitung von 5G vorantreiben.

Die Anwendungsbereiche von 5G beinhalten unter anderem:

Rich Communication Services (RCS)

  • Chinas drei größten Telekommunikationsanbieter schließen sich zusammen, um 2020 einen 5G-basierten Messaging-Dienst einzuführen, der herkömmliche SMS-Nachrichten ersetzen soll. Unter 5G-basiertem RCS können Benutzer Textnachrichten, Fotos, Videos und Audio direkt über das Nachrichtenfenster ihres Smartphones austauschen, ohne eine App herunterladen zu müssen.

Smart Tourism

  • Mehrere Fünf-Sterne-Hotels in China, darunter InterContinental, haben strategische Kooperationsvereinbarungen zum Bau von 5G Smart-Hotels angekündigt, in denen Empfangsroboter, 4K Video Streaming, Cloud PCs und 5G Konferenzzentren eingesetzt werden sollen.
  • Huawei hat sich mit China Mobile zusammengetan, um drei Basisstationen am Mount Everest zu errichten. Der höchste Turm ist auf 6.500 Metern Höhe gebaut und bietet eine 5G Abdeckung für den Gipfel.

Smart Agriculture

  • Hunderte von Farmen in ganz China haben neue 5G Agrartechnologien eingeführt.
  • Im Wuzhen International Internet Agriculture Park bieten intelligente Gewächshäuser ideale Temperatur- und Feuchtigkeitseinstellungen, eine maßgeschneiderte Ernährung für Pflanzen und sogar mit 5G verknüpfte Schädlings- und Krankheitsbekämpfungssysteme.

Smart Manufacturing

  • In Zusammenarbeit mit China Telecom hat Haier, Chinas führendes Unternehmen für Haushaltsgeräte, eine intelligente 5G Produktionsanlage entwickelt mit unbemannten Gabelstaplern, Computer-Vision-Inspektionen für Rohstoffe an jedem Kontrollpunkt und Überwachung der Produktionssicherheit.
  • Xiangtan Iron & Steel, das größte staatliche Unternehmen in Hunan, hat in Zusammenarbeit mit China Mobile und Huawei eine 5G-Smart-Anlage entwickelt, in der von 400 Kränen 5% vollständig autonom und 25% halbautomatisch sind.

4. Die dritte Phase des Live Streaming in China

Live Streaming in China hat eine Evolution durchlaufen: Von einem Fokus auf Spiele, Sport und Jugendkultur über ein Tool für Shopping und E-Commerce bis hin zu einem heute notwendigen Marketingkanal für neue und alte Branchen, wie z. B.:

Internationale Luxusgüter

  • Louis Vuitton war die erste internationale Luxusmarke, die einen Live Stream auf der Plattform Xiaohongshu (RED) veranstaltete. Der Live-Stream hatte mehr als 880.000 Aufrufe auf der Plattform und wurde für seinen neuen Ansatz gelobt, das jüngere Publikum anzusprechen. Louis Vuitton hat jetzt mehr als 164.000 Follower auf Xiaohongshu.

Reiseanbieter

  • Pinduoduo, bekannt als die E-Commerce-Plattform, die Gruppenkaufgeschäfte ermöglicht, organisierte im April im Live Stream eine 7-stündige virtuelle Tour in einer antiken Stadt in der Provinz Hunan, mit über 350.000 Teilnehmern.

Immobilienbranche

  • Taobao Live zog über 5.000 Immobilienmakler in fast 100 chinesischen Städten an. Vom 12. bis 17. Februar sahen sich rund 2 Millionen Nutzer Immobilien Live Streaming Events auf Taobao Live an.

Automobilbranche

  • Die Anzahl der Live Streams in der Autoindustrie stieg im März gegenüber Januar um das 15-fache. Der Höhepunkt in diesem Zeitraum waren laut der China Automobile Dealers Association 7.000 Live Streaming Sessions an einem einzigen Tag. 23 globale Automarken, darunter BMW und Audi, nutzten Taobao Live, um Autos zu verkaufen.

5. Listings der chinesischen Tech-Unternehmen an der chinesischen Börse

Chinesische Unternehmen, insbesondere Technologieunternehmen, werden zunehmend an inländischen Börsen gelistet. Dieser Trend hat zwei Hauptauslöser:

1) Günstige regulatorische und politische Initiativen, die chinesische Technologieunternehmen nach Hause locken. (2019 wurde in China auch der Tech-Index Star Market gegründet, der zu einer Art chinesischer Nasdaq werden soll.)

2) Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und China, die durch eine Reihe von Skandalen für chinesische Unternehmen, die in den USA notiert sind, verschärft wurden.

Seit Jahresbeginn sind nur 12 chinesische Unternehmen in den USA gelistet, verglichen mit 38 im Jahr 2019 und 42 im Jahr 2018.

01.09.2020

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